Engelskirchner Zahnarztpraxis versorgt Flüchtlinge in Syrien

Wallefeld –

Die rollende Zahnarztpraxis, die die deutsche Hilfsorganisation Grünhelme von Engelskirchen-Wallefeld aus nach Syrien geschickt hat (wir berichteten), hat das Ziel erreicht. Seit Oktober ist sie im Einsatz. Das berichtet Martin Mikat aus Wallefeld, der als Vorstandsvorsitzender der Grünhelme Nachfolger des verstorbenen Mitgründers Rupert Neudeck ist.

Mit Hilfe der „Independent Doctors Association“ (IDA) ist nun im Großraum Azaz, eine Autostunde nördlich von Aleppo und nicht weit von der türkischen Grenze gelegen, zahnärztliche Grundversorgung möglich. Die IDA ist eine unabhängige Ärzte-Vereinigung, die in Syrien und auch in Aleppo versucht, die medizinische Versorgung aufrecht zu erhalten. „Das ist das Einzugsgebiet für eine Viertelmillion Flüchtlinge und etwa 100 000 Einwohner“, berichtet Mikat.

Der Zahnarzt, den die International Doctors Association (IDA) stellt, kann im Fahrzeug die zahnmedizinische Grundversorgung anbieten.

Der Zahnarzt, den die International Doctors Association (IDA) stellt, kann im Fahrzeug die zahnmedizinische Grundversorgung anbieten.

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privat

Am 5. September habe die IDA das Fahrzeug mit dem oberbergischen „GM“-Kennzeichen, das in Wallefeld für den Einsatz ausgerüstet wurde, an der syrischen Grenze übernommen. Seither fährt es Flüchtlingscamps und Schutzgebiete an. Die Grünhelme können den Einsatz anhand von Berichten nachvollziehen. So wissen sie etwa, dass es im Oktober 218 Zahnbehandlungen gab, berichtet Mikat. Zu 57 Prozent wurden Frauen und Mädchen behandelt.

Unterstützung für die Weißhelme

Als größte Herausforderungen nennen die Ärzte vor Ort: „Beschuss, militärische Aktivitäten und Luftschläge. Arbeitsüberlastung, Personalmangel“. Trotz der widrigen Umstände haben sie zehn bis zwölf Behandlungen pro Tag absolviert, bei Patienten aller Altersstufen. Gefragt war im Oktober die ganze Bandbreite zahnmedizinischer Grundversorgung: 64 Zähne gezogen, 43 plombiert, 32 Wurzelbehandlungen, zum Beispiel.

„Nachdem wir uns von der Ankunft und der Nutzung des Fahrzeugs überzeugen konnten, haben wir uns entschieden, das Zahnarztmobil für ein Jahr mit Medikamenten zu versorgen“, sagt Martin Mikat. „Dafür fallen monatlich Kosten von rund 1800 Euro an.“ Dafür sind die Grünhelme auf Spenden angewiesen.

Per Tieflader kam das Fahrzeug an die türkisch-syrische Grenze.

Per Tieflader kam das Fahrzeug an die türkisch-syrische Grenze.

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Medikamente konnten nicht mitgeliefert werden, weil das den komplizierten Transport des Fahrzeugs durch die Türkei weiter erschwert hätte.

Mikat berichtet von einem beeindruckenden Treffen von Grünhelmen mit Mitarbeitern der Hilfsorganisation „White Helmets“ – zu deutsch Weißhelme, Träger des „Alternativen Nobelpreises 2016“. „Sie betreiben in Syrien unter anderem in verschiedenen Städten die Feuerwehr. Bekannt sind sie aber vor allem für die Bergung von Verschüttetet aus den Trümmern nach Bombenangriffen. „Viele Weißhelme haben ihren Einsatz bereits mit dem Leben bezahlt.“

Diese Organisation wollen die Grünhelme jetzt unterstützen – mit Krankenwagen, Feuerwehrfahrzeugen. „Dazu wollen wir mindestens zwei Fahrzeuge mit schwerem Bergungswerkzeug, etwa Betonschneidegeräte, ausstatten und runterschicken. Leider ist es fast unmöglich, andere Fahrzeuge als Krankenwagen nach Syrien zu bringen.“

www.gruenhelme.de

– Quelle: http://www.rundschau-online.de/25363286 ©2016

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